Peking zementiert seinen Anspruch als führende Kraft in der technologischen Zusammenarbeit mit dem globalen Süden. Im Rahmen einer neuen Initiative kündigte die chinesische Regierung an, in den kommenden fünf Jahren insgesamt 5000 Schulungsplätze für Fachkräfte aus Entwicklungsländern im Bereich der Künstlichen Intelligenz bereitzustellen. Diese Maßnahme ist Teil einer groß angelegten Strategie, die darauf abzielt, chinesische KI-Standards und technologische Ökosysteme in aufstrebenden Märkten zu verankern.
Strategische Partnerschaften und Infrastruktur
Die angekündigte Bildungsoffensive geht weit über reine Bildungsmaßnahmen hinaus. Flankiert wird das Programm durch den Aufbau dedizierter internationaler Kooperationszentren für KI-Anwendungen. Diese Zentren sollen gezielt in Kooperation mit wichtigen regionalen und geopolitischen Organisationen errichtet werden. Dazu zählen unter anderem der Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN), die Arabische Liga, die Afrikanische Union sowie die Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten (CELAC).
Auch innerhalb sicherheitspolitischer und wirtschaftlicher Blöcke wie der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) und den BRICS-Staaten sollen diese Strukturen etabliert werden. Damit schafft Peking eine institutionelle Grundlage, um den Transfer von Know-how und Technologie direkt an politische Partnerschaften zu koppeln. Für deutsche und europäische Technologieunternehmen bedeutet dies eine Verschärfung des Wettbewerbs um die digitale Infrastruktur in diesen Regionen.
Soft Power und technologische Pfadabhängigkeit
Aus analytischer Sicht verfolgt China mit den 5000 Stipendien ein klassisches Modell der Soft Power, das durch technologische Pfadabhängigkeiten ergänzt wird. Indem Ingenieure und politische Entscheidungsträger aus Schwellenländern an chinesischen Systemen und Frameworks geschult werden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch bei der nationalen Infrastrukturplanung auf Anbieter wie Huawei, Baidu oder Alibaba gesetzt wird. Dies betrifft nicht nur die Softwareebene, sondern auch die notwendige Hardware-Infrastruktur wie Rechenzentren und Cloud-Kapazitäten.
Die Initiative unterstreicht zudem den chinesischen Vorstoß, eine Alternative zur westlich geprägten KI-Ethik und Regulierung zu etablieren. In den geplanten Kooperationszentren dürfte die Vermittlung von KI-Anwendungen im Vordergrund stehen, die spezifisch auf die Bedürfnisse von Schwellenländern zugeschnitten sind, etwa in den Bereichen Smart City, Überwachungstechnologie und landwirtschaftliche Optimierung.
Auswirkungen auf den globalen Markt
Während die USA und die EU vermehrt auf regulatorische Leitplanken und Exportbeschränkungen setzen, wählt China den Weg der offensiven Expansion durch Bildung und Infrastrukturintegration. Für die globale KI-Industrie bedeutet dies eine zunehmende Fragmentierung. Es entstehen zwei technologische Hemisphären, wobei China seine Präsenz im globalen Süden durch die nun angekündigten Maßnahmen massiv ausbaut. Fachleute erwarten, dass diese Form der technologischen Entwicklungszusammenarbeit die Marktanteile chinesischer KI-Unternehmen in Afrika, Asien und Lateinamerika langfristig absichern wird.
